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Erste Ergebnisse – Mentale Gesundheit

Psychische Erkrankungen sind immer noch ein Tabuthema im Fußball! Was können wir tun?

Mitte November 2009 erschütterte der Freitod des damaligen Nationaltorhüters Robert Enke die Fußballwelt. Enke litt jahrelang an Depressionen, die er jedoch vor der Öffentlichkeit und seinem Team geheim hielt. Die Tragödie rückte das Thema psychische Gesundheit im Leistungssport und die Besonderheiten einer Profikarriere als Risikofaktor in den Fokus der Medien. Doch was steckt hinter diesen Mutmaßungen? Welche Faktoren haben tatsälich einen Einfluss auf das Wohlbefinden von aktiven und ehemaligen Fußballprofis? Stärken oder schwächen permanenter Leistungsdruck und öffentliche Aufmerksamkeit die Psyche? Und was hilft oder hindert Fußballspieler/innen belastende Situationen zu bewältigen?

In der ersten Phase der Head in the Game Studie in Deutschland haben wir ehemalige Bundesliga-Spielerinnen unter Anderem zu ihrer psychischen Gesundheit sowie zu Risikofaktoren und Bewältigungsstrategien für Stimmungstiefs befragt. Etwa zwei Drittel der kontaktierten Spielerinnen haben an der Befragung teilgenommen; im Folgenden sind die interessantesten Ergebnisse zusammengefasst:

Mentale Gesundheit

  • 32% aller Bundesliga-Spielerinnen litten während ihrer Karriere mindestens einmal unter ernsten Symptomen einer Depression. Weitere 25% litten mindestens einmal unter leichten Symptomen einer Depression.
  • Knapp 40 % berichteten, dass sie während ihrer Karriere gerne psychologische Unterstützung gehabt oder gebraucht hätten, jedoch haben nur 10% psychologische Unterstützung erhalten.
  • Nach Beendigung der aktiven Karriere klagten 9% der Befragten über Depressionen. Weiter 11% der Spielerinnen berichten von Angstzuständen.
  • Spielerinnen mit einem konkreten Plan nach ihrer Sportlerkarriere hatten dabei einen geringeren Depressionswert als Spielerinnen mit vagem oder keinem Plan.

Risikofaktoren

  • Mögliche Gründe für ein Stimmungstief waren Konflikte mit dem Trainer oder dem Management (50%), schlecht Leistungen/Verletzungen (48%) und mangelnde Anerkennung sowie Unterstützung durch den Trainer (40%).
  • Zudem scheint es einen Zusammenhang zwischen der Spielposition und Depressivität zu geben. Stürmerinnen hatten im Durchschnitt die höchsten Depressionswerte, während Verteidigerinnen die niedrigsten Depressionswerte aufwiesen.
  • Als Hauptgründe für Leistungstiefs wurden Verletzungen (57%), psychische Belastungen/Stress (47%) und ein fehlender innerer Antrieb (28%) genannt.

Tabuthema

Laut Fußballstar Birgit Prinz ist die „mentale Fitness genauso wichtig für das Wohlbefinden und die Leistung professioneller Fußballer, wie die körperliche Fitness und eine gute Technik.“ Wissenschaftler vermuten auf Grundlage mehrerer Untersuchungen, dass sich die Häufigkeit von Depression nicht grundsätzlich zwischen Fußballspielern und Normalbevölkerung unterscheidet. Die Ergebnisse unserer Studie verdeutlichen jedoch das weiterhin existierende Stigma, welches betroffene Spieler und Spielerinnen daran zu hindern scheint, sich professionelle Hilfe zu suchen. Dieses Problem kann nur behoben werden, indem wir gemeinsam diesem Stigam entgegenwirken. Einen neuen Ansatz dafür liefert die gestern erschienene Smartphone App „EnkeApp“, die das Thema Depression im Profifußball erneut ins Scheinwerferlicht stellt. Die App liefert neben einer Aufklärung über Depression, einem Selbsttest und einer Plattform zur Kommunikation, auch einen Notrufknopf.

Wir müssen den Mythos überwinden, dass Profifußballspieler unverletzlich sind und für die Gesundheit zukünftiger Spielerinnen sorgen. Mentaler Stress kann vermieden und behandelt werden.
Birgit Prinz

Eine wissenschaftliche Publikation mit weiteren Details zur Studie finden Sie hier: http://bmjopensem.bmj.com.

Ausblick

In der zweiten Phase des HITG Projekts werden wir im Rahmen einer klinischen Studie den Zusammenhang zwischen früheren Verletzungen und der aktuellen mentalen und physischen Gesundheit von ehemaligen Fußballspielerinnen genauer untersuchen. Der Schwerpunkt der Untersuchung liegt hierbei auf der kognitiven Leistungsfähigkeit und dem Bewegungsapparat.

Bitte registrieren Sie sich, damit wir Ihnen weitere Informationen zur Studie zusenden können!

Haben Sie Fragen zu der Studie oder den geplanten Untersuchungen? Gedanken? Ideen? Feedback? Schreiben Sie einen Kommentar oder eine Email an: info@hitg.study


HITG

Ziel von Head in the Game ist die Verbesserung der langfristigen Gesundheit von ehemaligen sowie aktiven Fußballspielerinnen und Leistungssportlerinnen. Hierzu untersuchen wir mögliche Auswirkungen einer Sportkarriere auf den Bewegungsapparat und die kognitive Leistungsfähigkeit nach Beendigung der Karriere. Das Projekt umfasst drei Studien, welche In Deutschland, den USA und den Niederlanden durchgeführt werden.

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